Reclaim the night – reclaim the street

Heraus zum 8. März. Wir rufen zur Frauen-Lesben- Transfrauendemo um 22 Uhr am Gänseliesel auf.

Mit der Veröffentlichung des übergriffigen sexistischen Verhaltens Rainer Brüderles gegenüber der Journalistin Himmelreich ist eine neue Debatte über Sexismus in der Bundesrepublik entflammt. Doch nicht nur viele Frauen, die erstmals sexuelle und sexualisierte Übergriffe in ihrem Alltag öffentlich thematisieren, melden sich zu Wort. Es kommen im Netz, in Talkshows und Medien immer wieder Versuche auf, diese mutigen Schritte lächerlich zu machen, die Frauen anzugreifen und das Verhalten der Männer zu rechtfertigen . Immer wieder werden sexuelle Übergriffe, Missbrauch und Vergewaltigungen abgestritten und die Schuld dafür den Betroffenen zugeschoben. Oft wird dabei von Frauen in dieser Gesellschaft erwartet, dass sie in der Lage sein müssen, sich zu wehren. Dabei werden ökonomische und soziale Abhängigkeitsverhältnisse ausgeblendet und dominante männliche Verhaltensweisen ignoriert. Auf die Idee, dass es nicht die Aufgabe der Frauen ist, sich zu wehren, sondern die Aufgabe der Männer, sich nicht sexistisch zu verhalten, kommen die Wenigsten.
Eines tritt dadurch wieder offen zu Tage: Die sexistischen Abgründe dieser Gesellschaft sind bodenlos.
Rape Culture zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten und ist an fast allen Orten, an denen wir uns im Alltag bewegen.
Dauernd wird uns Angst gemacht, wenn wir nachts auf die Straße gehen wollen, dass wir wegen unseres vermeintlichen Geschlechts dort nicht sicher wären. Und oftmals müssen wir das Gefühl haben, nicht sicher zu sein: weil in dieser Gesellschaft Täter/Vergewaltiger geschützt werden, während den Betroffenen die Schuld an Übergriffen zugeschanzt wird, anstatt ihnen Unterstützung zu geben. Man(n) und leider auch so manche Frau ist schnell dabei, die Betroffenen als „gute“ oder „schlechte“ Frauen zu bewerten. Wir haben genug von Bewertungen unserer Körper und unseres Sexlebens, von Schuldzuschreibungen und Fremdbestimmung.
Ganz ernsthaft: Typen, die sexistische Witze reißen, Frauen am Arbeitsplatz zeigen wollen, wer der Boss ist und einem als freundschaftliche Geste die Hand aufs Knie oder doch auf den Hintern legen, haben einfach mal eins auf die Fresse verdient.
Wir haben keinen Bock auf beschissene Anmachen, achso wichtiges bevormundenes Gelaber und blöde Blicke auf unsere Körper.
Wir gehen auf die Straße, weil man sie uns Tag für Tag nehmen will, wir sind laut, weil unser Aufschrei Tag für Tag zu ignorieren versucht wird. Wir sind mutig, weil ihr uns klein halten wollt und wir holen uns die Nacht zurück, die ihr uns stehlt seit wir Kinder sind.
Wir sind wütend! Haltet die Augen offen!

Nieder mit dem Patriarchat!
Für die emanzipatorische feministische Aktion!

Warum eine Frauen-Lesben-Transfrauen – Demo?

Uns ist bewusst, dass diese Aktionsform und dieser Aufruf auch Ausschlüsse produziert.
Es ist uns wichtig, keine Stellvertreterinnen- Politik zu machen. Wir sind als Frauen* solidarisch mit allen queeren, trans*, inter und schwulen Kämpfen. Wir begreifen das Frau_sein aber immer noch als eine notwendige, biologisch nicht festgeschriebene, politische Kategorie. Wir brauchen diese Kategorie, weil die Gesellschaft patriarchal organisiert ist und wir durch Frauen*kämpfe eine Möglichkeit zur Befreiung aus Machtverhältnissen schaffen können. Uns ist auch bewusst, dass wir nicht für alle Frauen* sprechen und wir haben keinen Universalanspruch mit dem, was wir fordern und thematisieren. Wir sind eine Frauen*gruppe und haben diese Organisationsform gewählt, um den Machtverhältnissen entschieden entgegenzutreten.

Kommt, wir holen uns die Nacht zurück.
Vorbereitungsgruppe 8. März

Frauen* sind Antifaschistinnen.

Das bedeutet für uns, dass die Kategorie Geschlecht auch in Antifa-Kämpfen eine wichtige Analysekategorie ist. Vehemente feministische Kritik an faschistischen Ideologien ist unerlässlich. Neonazis haben eine menschenverachtende, rassistische, nationalistische und patriarchale Gesinnung. Ihrem Geschlechterbild liegen biologistische Kategorien zu Grunde: So existieren Frauen als „Mutter des Volkes“ und sind in erster Linie für die Reproduktion verantwortlich, obwohl das faschistische Frauenbild mittlerweile in Teilen „modernisiert“ wird. Im Gegensatz zum weiblichen „Mutterbild“ existiert das Ideal des „soldatischen Mannes“: muskelbepackt, gestählt und eisern.
Wir lehnen die faschistische Ideologie mitsamt ihren reaktionären Geschlechterbildern entschieden ab und wollen Nazis und rechte Denkweisen in allen Lebensbereichen bekämpfen.
Das Ideal im Kampf gegen Nazis ist in Antifa-Strukturen die Suche nach der direkten körperlichen Auseinandersetzung mit diesen sogenannten „soldatischen Männern“. Diese gilt als der wirklich legitime Kampf gegen Nazis und ihre Strukturen. Wer bereit ist, Nazis zu klatschen, ist gleichberechtigt und anerkannt. Andere Strategien sind oftmals bedeutungslos oder unsichtbar. Doch Militanz hat viele Ausdrücke!
Auch in Antifa-Strukturen werden gesellschaftliche Herrschaftsmechanismen in vielerlei Hinsicht reproduziert: Angefangen beim zahlenmäßigen Geschlechterverhältnis innerhalb militanter Antifa-Gruppen über Erste-Reihe-Mackerverhalten und sinnlosem Gegen-Bullenketten-Rennen bis hin zu vorgetäuschter Expertenmentalität auf Plena, die Nachfragen von vornherein ausschließen, da sie einem vermeintlichem Szenestandard nicht entsprächen. Wir wollen Veränderungen. Wir haben ein gemeinsames Ziel – Nazis und ihre Strukturen müssen bekämpft werden. Dafür müssen wir alle unsere gemeinsamen Räume nutzen und vielfältige militante Strategien entwickeln.
Wir wollen einen feministischen Antifaschismus.

Herstory.

Clara Zetkin, George Sand, Harriet Taylor Mill, Minna Cauer, Mary Wollstonecraft, Emmeline Pankhurst… schon mal gehört? Eher nicht, werden die meisten von euch jetzt denken. Aber was ist mit Abraham Lincoln, Che Guevara, Albert Einstein, Christoph Columbus und Leonardo da Vinci? Ja, die kennen wir alle!
All diese Menschen waren bewegende Persönlichkeiten…der kleine Unterschied wird euch schon aufgefallen sein. So gibt es viele weitere Frauen, die aufgrund ihres Geschlechts in der Geschichtsschreibung nicht erwähnt werden.
„Vielleicht liegt es daran, dass Frauen nicht so aktiv an der Geschichte beteiligt waren wie Männer…“ würde jetzt aus der konservativen Ecke bemerkt werden. „Vielleicht liegt es auch daran, dass die Geschichte hauptsächlich von Männern aufgeschrieben wurde…“. Würden wir sagen.
Deshalb fordern wir Frauen überall auf der Welt auf, zur Tat zu schreiten und ihre Geschichte selber zu schreiben. Aus den letzten Jahrtausenden wissen wir: Die meisten männlich Sozialisierten haben das massiv vernachlässigt! Denn aus männlicher Perspektive wurden Frauenbilder inszeniert, mit denen wir uns nicht identifizieren wollen und können. Denn wir wollen Frauen, die sich keinem Frauenbild unterwerfen und sich frei in allen Positionen der Gesellschaft bewegen können.
Es ist auch unsere Geschichte, die jetzt geschrieben wird, es ist auch unsere Geschichte die Tag für Tag entsteht. Wir SIND ein Teil von dem, was jetzt passiert. Lasst uns das auch in den Augen nachfolgender Generationen sein!
HIStory has to be HERstory, too!

Frauen* und Kapitalismus .

Frauen sind Konsumentinnen. Die gigantischen Märkte der Kosmetika, Mode, Erziehungsratgeber, Kochzeitschriften, Diäten und Haarpflegeprodukte sind vornehmlich auf Frauen zugeschnitten. Um weiterhin ihre Produkte an die Frau zu bringen, müssen diese Industrien sicherstellen, dass weiterhin ein Bedürfnis nach ihnen besteht. Am besten funktioniert das, indem Minderwertigkeitsgefühle vermittelt werden: „Du bist nicht attraktiv genug.“ „Dein Essen muss gesünder und leckerer werden“. „Du bist nicht perfekt genug, aber wenn du das hier kaufst, hast du vielleicht eine Chance“. So wissen schon kleine Mädchen, dass sie, um in dieser Gesellschaft erfolgreich zu sein, schöner als alle Mädchen und klüger als alle Jungen sein müssen. Frauen verdienen schließlich ein Viertel weniger als Männer, obwohl sie laut Statistiken die besseren Schul- und Uniabschlüsse haben. Frauen aus armen oder wenig gebildeten Familien, gar mit Migrationsbiografie, sind hier doppelt oder dreifach marginalisiert. Im Wettlauf um die besten Chancen und den größten Wohlstand laufen sie weit hinter den anderen los.
Frauen werden als Waren dargestellt. Ihre Körper, die einem normierten Schönheitsideal entsprechen müssen, dienen als Projektionsfläche für Wünsche und Illusionen. Unsere Gesellschaft hat das so sehr verinnerlicht, dass auch erfolgreiche und mächtige Frauen eher wegen ihrer Frisuren als wegen ihrer Meinungen und Taten im Gespräch sind. Frauen verkaufen immer die Versprechen, die auf und in ihren Körpern eingeschrieben sind, mit.
Frauen sind Arbeiterinnen. Sie haben schon immer gearbeitet, auf dem Bauernhof, in den Fabriken, an den Schreibtischen und am heimischen Herd. Frauen stellen immer noch die Mehrheit der Beschäftigten in sozialen Berufen und werden dort deutlich schlechter bezahlt als ehemalige Mitschüler, die in die männlich dominierten Facharbeiterberufe geströmt sind. Das ist kein Zufall. Erstens wird die Fürsorge-in der Gesellschaft immer noch als spezifisch weibliche Fähigkeit angesehen, was eng mit der ihr zugeschriebenen gesellschaftlichen Reproduktionstätigkeit einhergeht. Zweitens nehmen Berufe, die als Frauenberufe deklariert werden, in einem gesellschaftlichen, paternalistischen Ernährermodell lediglich die Rolle der Dazuverdienerinnen ein.
Im Kapitalismus ist die Versorgung der Mitmenschen weniger wert als irgendwelche Konsumgüter. Deshalb muss er über die unbezahlte Arbeit unzähliger Frauen und einiger Männer ermöglicht werden. Reiche Frauen können sich mitunter von ihren „häuslichen Verpflichtungen“ freikaufen, indem sie arme Frauen, häufig aus anderen Ecken der Welt, zu Hungerlöhnen beschäftigen. Das kann keine feministische Lösung sein! Wir setzen uns gegen die Ausbeutung von Frauen ein, egal wo. Dabei ist es uns wichtig, die Stimmen der Betroffenen selbst zu hören und uns nicht als Stellvertreterinnen über sie zu stellen.
Wir haben genug von Konkurrenz, Leistungsdruck und dem Gefühl, nie Zeit zu haben für die Dinge, die uns wichtig sind. Wir wollen kein System, in dem Menschen nur etwas wert sind, wenn sie etwas zu verkaufen haben und Überleben ohne Geld und Konsumgüter unmöglich scheint. Patriarchat und Kapitalismus hängen eng zusammen, doch das Ziel muss es sein, herrschende Geschlechterverhältnisse auch innerhalb dieses Systems zu überwinden, anstatt damit auf eine ferne Utopie zu warten.
Kapitalismus ist nicht das System in dem wir leben können und wollen.

sozili